Für Eltern & Bezugspersonen

Informationen für Eltern zur Psychotherapie in Friedrichshafen

Wenn das eigene Kind belastet ist

Wenn das eigene Kind belastet ist, dann betrifft das – ganz unabhängig von der Altersgruppe – immer auch die Menschen, die den Alltag mittragen.

Auch Eltern dürfen belastet sein

Als Eltern oder sonstige enge Bezugspersonen möchte man helfen und unterstützen, obwohl man eigentlich selbst genauso durch die Situation herausgefordert wird. Von Verzweiflung über Hilflosigkeit bis hin zu Frust und Schuldgefühlen ist auch hier jede Reaktion normal und darf so benannt werden, wie Sie sie empfinden, denn auch Eltern sind nur Menschen und können manchmal an ihre eigene Belastungsgrenze stoßen.

Bezugspersonenstunden

Im Rahmen jeder Richtlinienpsychotherapie gibt es aus diesem Grund sogenannte „Bezugspersonenstunden“ – also Therapiestunden, die zusätzlich zu den Einzelterminen mit Ihrem Kind durchgeführt werden.

Diese finden normalerweise nicht in fest angeordneten Abständen statt, sondern können flexibel und nach Bedarf geplant werden. Manchmal wünschen sich Eltern dabei, einmal allein ein Gespräch mit der Therapeutin zu führen, manchmal sind auch die betroffenen Kinder selbst mit dabei, und wenn das nötig oder sinnvoll erscheint, werden auch Geschwister, Großeltern oder sonstige Bezugspersonen miteingeladen.

Auch inhaltlich sehen Bezugspersonenstunden ganz unterschiedlich aus.

Sie können unter anderem dazu dienen …

  • Anfängliche Fragen zu beantworten, bspw. in Richtung „Was bedeutet diese Diagnose genau?“, „Was hat bei meinem Kind diese Beschwerden herbeigeführt?“ oder „Was kann ich zusätzlich zur Verhaltenstherapie noch für mein Kind tun?“.
  • Über den bisherigen Verlauf aufzuklären, also Eltern z.B. einen Überblick über das aktuelle Therapieziel und besprochene Strategien zu verschaffen.
  • Zu Schwierigkeiten im Alltag zu beraten, denn fast immer möchten Eltern wissen, wie sie ihr Kind zu Hause besser verstehen und unterstützen können oder welches Verhalten vielleicht eher weniger hilfreich ist.
  • Krisensituationen nachzubesprechen, da es als Eltern besonders erschütternd sein kann, wenn man mit dem eigenen Kind zusammen eine akute Krise meistern muss.
  • Auch über die eigenen Gedanken und Gefühle sprechen zu können, denn viele Eltern machen sich Vorwürfe, stellen sich quälende Fragen oder haben auf andere Art mit der Situation zu kämpfen, ohne dass sie das vor ihren Kindern oder ihrem sozialen Umfeld zeigen wollen.

Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun.

Jesper Juul

Die eigene Vorbildfunktion

Einer der wichtigsten Punkte für Eltern ist hier ihre Vorbildfunktion: Wie Sie selbst damit umgehen, dass Ihr Kind psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nimmt, hat einen großen Einfluss darauf, wie Ihr Kind die Therapie empfindet.

Dabei sollten Sie beachten, dass eine Psychotherapie keineswegs bedeutet, dass Sie als Eltern versagt haben. Vielmehr vermitteln Sie Ihrem Kind damit eine wichtige Botschaft, nämlich: „Es ist in Ordnung, wenn man irgendwann im Leben mal an seine Grenzen stößt. Darüber können wir traurig oder wütend oder besorgt sein. Aber gleichzeitig können wir uns auch Hilfe suchen, Fragen stellen und Vorschläge ausprobieren, und dafür muss man sich nicht schämen.“

Ein mutiger Schritt nach vorne

Wenn Sie also therapeutische Unterstützung suchen, dann ist das vielmehr ein mutiger Schritt, der zeigt, dass Ihnen Ihr Kind am Herzen liegt und gleichzeitig ein Signal an Ihr Kind, dass Sie auch in schwierigen Situationen nicht aufgeben oder Probleme totschweigen, weil Sie unsicher sind, wie Sie reagieren sollen.

Sie zeigen Ihrem Kind, dass man überfordert sein darf, um Hilfe bitten und diese annehmen darf, dass man auch schwierige Gedanken und Gefühle haben darf, denn Menschen können nicht immer perfekt funktionieren.

Die Eltern meiner PatientInnen haben also alles andere als versagt. Sie sind einen bewundernswerten Schritt nach vorne gegangen, der ihrem Kind zeigt: Ich glaube daran, dass die Dinge auch wieder besser werden können, wenn wir etwas verändern, und das ist eine Hürde, die wir zusammen überwinden können.